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Zurueck


Hier publizieren wir den 1. Kapitel aus dem Buch von Nikolai Banzelyuk "Die soziale Trinitaet"

Russische Idee als vorherrschendes Interesse
Russlands und der Welt

Die dritte russische Frage

   Zwei Ereignisse des auslaufenden Jahres haben das Erscheinen dieses Buches unumkehrbar gemacht. Die Jahresbotschaft des Praesidenten Vladimir Putin und das Interview von Alexander Solshenitzyn. Vom Standpunkt des Autors sind das zwei Spitzen des oeffentlichen Lebens des auslaufenden Jahres, denn zwei Fuehrer der Nation - der offizielle und der inoffizielle, Praesident und Schriftsteller, haben zu allen wichtigen Fragen oeffentlich und ausfuehrlich, gruendlich und anhaltend Stellung genommen.
   Unter diesen wichtigen Fragen war auch die Frage von der nationalen Idee: Ob es sie gaebe, wenn ja, dann was sie darstellt. Es ist bemerkenswert, dass weder der Praesident in seiner Jahresbotschaft noch der Schriftsteller in seinem Abschlussinterview nach einer langen Schweigeperiode diese Frage mit Stillschweigen umgehen konnten. Der Praesident bezeichnete sie, scheinbar sich entschuldigend, als ein "Volksvergnuegen", und der Schriftsteller sagte, dass der Begriff "die nationale Idee“ keinen deutlichen wissenschaftlichen Inhalt“ habe.
   Die beiden machten es, eine Bilanz ziehend: Der Praesident – die seiner Amtsperiode, einer ganzen Epoche der jungsten Geschichte Russlands, der Schriftsteller, indem man sein Alter beruecksichtigt, - die Bilanz seines ganzen Lebens. Der Praesident ist im Laufe seiner Amtsperiode hunderte Male oeffentlich aufgetreten – und hat niemals von der russischen Idee gesprochen. In diesem letzten Appell an das Volk als Praesident hat Putin vielleicht intuitiv sein Versaeumnis gespaert, und nicht so sehr das Versaeumnis als eines Beamten, sondern als eines Menschen, dessen Anwesenheit im Russland unmoeglich zu uebersehen ist und beschloss wenigstens auf diese Weise sein Verhalten zu bezeichnen. Es sieht danach aus, dass im Text der Botschaft kein Wort von der nationalen Idee stand, dass es eine unwillkurliche innerliche Reaktion von Putin als von einem Menschen auf die ganze Amtsperiode von Putin als einem Praesidenten war, vielleicht auch in der Form, welche selbst fuer ihn unerwartet war. Vielleicht deshalb ist die Aussage verlegen und als ob entschuldigend geworden, und, was Hauptsache ist, unvollstaendig und das heisst, fuer die Zukunft offen... Der Schriftsteller antwortete auf eine direkte Frage von der nationalen Idee, und das Wesentliche in seiner Aussage ist: "der Begriff "die nationonale Idee“ hat keinen deutlichen wissenschaftlichen Inhalt“.

   So eine Behauptung ist gerecht, sie ist zu akzeptieren, aber es ist auch notwendig, etwas zu bemerken. Die erste Bemerkung. Es ist wahr, aber diese Wahrheit zeigt sowohl darauf, dass die Wissenschaft eine wissenschaftliche Begruendunge zu geben hat, als auch darauf, dass die Wissenschaft in der Form, in welcher sie heute existiert, in solchen Fragen ihre Begrenztheit an den Tag legt, dass Methoden und Mittel der modernen Wissenschaft mit der Realitaet nicht Schritt halten koennen, dass die sogenannte wissenschaftliche Erkenntnismethode, beruhend vor allem auf physikalischen Experimenten und deren statistischer Bearbeitung, sowohl im ersten als auch im zweiten Fall unter Anwendung von kompliziertesten und aeusserst kostspieligen Ausruestungen, eher fuer die Beschreibung von dem geeignet ist, was schon vorhanden ist. Dabei besteht die echte Aufgabe der Wissenschaft, wie Leo Tolstoy mit Recht bemerkte, darin besteht, das zu erkennen und zu studieren, was sein soll. Die allgemeingultige wissenschaftliche Methode erfordert immer kompliziertere und aufwendige Ausrustungen, eine immer groessere Anstrengung des menschlichen Intellektes, welcher gesunde Verbindungen zu den uebrigen Wesensgliedern des Menschen verliert (des menschlichen Wesens?). So eine Wissenschaft, die einen immer hoeheren materiellen Aufwand erfordert, wird fuer immer wenige Menschen auf der Erde zugaenglich, indem die Hauptbestimmung des Menschen eben darin besteht, Wissenschaftler zu sein, besser gesagt, staendig Wissenschaftler zu werden, d.h. zu erkennen und erkennbar zu sein. Dazu kommen wir in das irdische Dasein, eben deshalb stellt es uns solche Moeglichkeiten fuer Selbsterkenntnis und Erkenntnis zur Verfuegung, die es im geistigen Dasein nicht gibt.
   Es entsteht eine paradoxe Situation: wir kommen massenweise in diese Welt, um zu erkennen, man koennte sagen, Wissenschaftler zu werden, aber die Wissenschaft, als ein Taetigkeitsbereich, wird fuer uns immer weniger erreichbar: Fuer Einzelne aus Millionen - damit verwandelt sie sich in ein Machtmittel und Manipulierungswerkzeug ueber den Rest der Menschheit fuer diese Einzelnen und diejenigen, die sie gut bezahlen,...
   Machen wir jedoch noch einen Schritt. Wenn wir damit einverstanden sind, dass die Wissenschaft vor allem das untersuchen muss, "was sein soll“, dann waere es gerecht, sich die Frage zu stellen, wo und mit welchen Mitteln sie das finden muss, '"was sein soll“, wo sollte sie es hernehmen, um es zu untersuchen? Und wenn die Antwort auf die erste Frage offensichtlich ist – das, "was sein soll“, bringen immer neue und neue Generationen mit sich, denn das, "was sein soll“ ist schon vorhanden in den Menschen, die in die irdische Welt kommen, so ist auch die Antwort auf die naechste Frage offensichtlich: Was sollte die Wissenschaft untersuchen, um die Zukunft zu kennen? Die Wissenschaft sollte vor allem den Menschen selbst erkennen und untersuchen, sein kompliziertes Wesen, welches nicht nur aus einem Koerper, sondern auch aus einer Seele und einem Geist besteht, da eben in ihm schon das vorhanden ist, was es mit sich auf die Erde traegt, um das zu verwirklichen, was nur auf der Erde verwirklicht werden kann...
   Der Kern besteht hier im Folgenden: Gleiches wird nur von dem Gleichen erkannt, das Geistige durch das Geistige, und ein Mensch in allen seinen Kraften kann nur von einem Menschen erkannt werden, der in sich alle diese Kraefte entwickelt hat, und kann allmahlich erkannt werden, in dem Ma?e, in dem sich diese Kraefte allmaehlich entwickeln. Mit anderen Worten: Der Mensch und seine Wahrheit kann nur durch einen Menschen in seiner Wahrheit erkannt werden. Keine Silikontaeler, keine teuersten und leistungsfaehigsten Computer, keine vollkommenen Programme und Projekte werden den Menschen als ein Organ der Erkenntnis in der Sache der Erkenntnis von sich selbst und der Welt ersetzen koennen.
   Kommen wir zurueck auf die Aussagen des Praesidenten und des Schriftstellers von der nationalen Idee zurueck. Was ist wichtig? Beide Antworten sind unvollendet, beide sind fuer die Zukunft offen. Es ist klar, dass sie irgendwie fuer die beiden Fuehrer Zwischenaussagen sind, das ist nicht ihr letztes Wort.
   Was aber ausserordentlich und fuer Russland nie da gewesen ist: Beide Aussagen sind in einer sehr korrekten Form gemacht, mit feststehendem Wunsch, kein Zuendholz da anzuzuenden, wo es explosionsgefaehrlich ist, keinen Zwist einzutragen, sondern eine Stuetze, einen Hort oder Floss fuer die Konsolidierung von geistig freien schoepferischen Kraften fur die Erkenntnisarbeit an der nationalen Idee.
   Der Schriftsteller ist einer von den sehr wenigen Russen der Gegenwart, wer den Wunsch, noch viele Jahre zu leben, erwidern kann: "Nein, nein, das brauche ich nicht. Es genuegt.“ - Er hat genug gelebt und genug getan. Die Genugtuung ueber die Fuelle von Jahren und Taten ist heute nicht in vielen russischen Menschen zu spueren, ein zu schweres Jahrhundert ist ihnen zuteil geworden, und nicht sehr viele haben es erreicht, sich das Recht und die Moeglichkeit der geistigen Freiheit zu erkaempfen. Um so wichtiger und wirkungsvoller fuer uns ist so ein Beispiel, welches die Vorherrschaft der inneren geistigen Freiheit einer Persoenlichkeit beweist, die dem Willen Kraft und dem Verstand Licht verleiht.
   Der Praesident ist der erste offizielle Fuehrer, dem es gelungen ist, das Land mit sich selbst zu versoehnen, ein Gleichgewicht zwischen dem Inneren und dem Aeusseren zu finden; er hat unzweifelhaft wie kein anderer Fuehrer dazu beigetragen, dass Russland seine neue Identitaet findet. Und selbst wenn die Zeit uns berichtigt und zeigt, dass wir in unseren Bewertungen zu grosszuegig gewesen waren, werden wir immer dankbar sein fuer die Moeglichkeit, welche er fuer uns geschaffen hat: Atem holen zu koennen und uns selbst unter neuen Lebensbedingungen zu finden.
   Der Praesident und der Schriftsteller sind Menschen aus verschiedenen Generationen, mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen. Es gibt aber etwas, was die beiden vereint, als Vertreter von einem sehr wichtigen Existenzaspekt des multinationalen Volkes Russlands. Das, was sie vereint, ist ihr Verhalten gegenueber Deutschland, gegenueber der deutschen Kultur. Die beiden beherrschen Deutsch und kennen die deutsche Kultur, die beiden glauben an die besondere Mission Deutschlands, Vermittler zwischen Russland und der uebrigen Welt zu sein, an das Ueberrationale in den Beziehungen der beiden Voelker, an "Etwas Vorherbestimmtes“, wie sich der Schriftsteller ausgedrueckt hat.
   Dieses Verstaendnis der guten Mission, der guten Bestimmung von Deutschland gegenueber Russland wird auch bestaetigt und, was wichtig zu bemerken ist, rechtfertigt durch die Schicksale der beiden Fuehrer. Den beiden gelang es, so viel Positives und national Wichtiges vor allem fuer ihr Land zu machen nicht zuletzt dank den Kenntnissen der deutschen Sprache und guten Kenntnissen der deutschen Kultur. Diese Kenntnisse waren nicht von Referendaren und Beratern erhalten, sondern mit eigenen Bemuehungen aus Urquellen erworben.
   Solch eine Beziehung zu Deutschland und zum deutschen Geist ist ein wichtiger Bestandteil des echt russischen nationalen Weltempfindens. Dieser Bestandteil ist immer in dem russischen nationalen Selbst- und Weltempfinden zugegen gewesen, er war der Verbindungsfaden zu Europa und der ganzen Welt. Auch der deutsche Geist selbst wurde von der russischen Mentalitaet nie als nur als nationaler empfunden, sondern immer als eher europaeischer Geist, Welt- oder Weltallgeist, wenn Sie wollen. Und diese Verbindung ueber den deutschen Faden mit der ganzen Welt, man koennte sagen, mit ihrer Zukunft, war fuer einzelne Russen immer bewusst, wenn sie, die ewigen russischen Fragen behandelnd, sich bis zu einem bestimmten Niveau des Selbsterkennens erhoben. Man kann nicht umhin, sich an Ivan Kirejewsky, einen der Begruender des russischen nationalen Selbstbewusstseins zu erinnern, einen Gespraechspartner von Hegel und Schelling. Mit seiner ganzen slawophilen Geradelinigkeit hat Kerejewsky diese Beziehung Russland-Deutschland in seiner beruehmten Aussage zum Ausdruck gebracht: «Wir brauchen Philosophie: Die ganze Entwicklung von unserem Geist fordern sie. Von ihr alleine lebt und atmet unsere Poesie; sie allein kann unseren im Kinderalter verweilenden Wissenschaften Seele und Ganzheit verleihen, und unser Leben selbst wird vielleicht sich von ihr eine feine Schlankheit borgen. Selbstverstaendlich sollte unser erster Schritt ihr entgegen in dem Aneignen von geistigen Schaetzen des Landes bestehen, welches alle anderen Voelker in der â óìîçðåíèè ueberholt hat. Fremde Gedanken sind aber nur fuer die Entwicklung von eigenen vom Nutzen. Die deutsche Philosophie kann bei uns keine Wurzeln schlagen. Unsere Philosophie soll sich aus unserem Leben entwickeln, sich aus laufenden Fragen, aus vorherrschenden Interessen unseres Volks- und Privatdaseins formen. Wann und wie, wird die Zeit sagen; aber das Streben nach der deutschen Philosophie, welches sich bei uns auszubreiten beginnt, ist schon ein wichtiger Schritt zu diesem Ziel». In dieser direkten und aufrichtigen, wie der Anfang des Slawophilentum selbst, Aussage, vor zweihundert Jahren gemacht, besteht das Wesen von unserem Moment. Wir brauchen die deutsche Philosophie, wie auch die ganze mitteleuropaische Kultur fur die Grundung und Entwicklung unserer eigenen, den deutschen Geist brauchen wir zum Erkennen und Entwickeln unseres nationalen Geistes, unserer nationalen Idee.
   Die Aussage von Kirejewsky ist beinahe 200 Jahre alt. In dieser Periode sind wiederholt erneuernde Impulse in die Kultur Russlands eingetreten. Ihr Einfluss laesst sich in vielen Erscheinungen verfolgen, welche wir mit Recht als unser nationales Vermoegen vorweisen koennen. Die deutsche Philosophie hat in dieser Zeit auch nicht auf einem Platz gestanden. Die Philosophie, in welcher immer das Streben zu spueren war, nicht nur die bestehende Welt zu erklaeren, sondern, was fuer uns, als fuer ein jungeres Volk, immer besonders nahe war, sie auch zu aendern, diese Philosophie hat in den nach Kirejewsky’s Zeiten vergangenen Jahren eine Frucht hervorgebracht – die Geisteswissenschaft von Rudolf Steiner, – vom Standpunkt des Autors, die echte Wissenschaft von der Zukunft, davon, «was sein soll». Das Licht des Wissens von der Zukunft hilft, sich in der Gegenwart besser orientieren, welche ohne dieses Licht immer im Schatten der Vergangenheit liegt. Der Geisteswissenschaft zugrunde liegt das Prinzip der moralischen Selbstvervollkommnung der Persoenlichkeit unter voller Kontrolle ihres Bewusstseins, und damit wird schon das Niveau der zu erreichenden geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse bestimmt. Eben dieses Moment, dass das Niveau von den einem Menschen zugaenglichen Erkenntnissen durch das Niveau der geistig-moralischen Entwicklung seiner Persoenlichkeit, seines Ichs bestimmt wird, macht dies Geisteswissenschaft zu einem der universellsten Erkenntismittel zum Erkennen von sich selbst und der Welt, darunter auch zum Verstehen und Erkennen der russischen nationalen Idee, als den inneren Inhalts des russischen Menschen. Die russische nationale Idee kann nur im Ergebnis der schoepferischen Meisterung des Weges bewusst gemacht und erkannt werden, welcher zu dem von Steiner entwickelten Goetheanismus gefuehrt hat, und nur in der Geisteswissenschaft kann der Begriff "die nationale Idee“ einen deutlichen, jetzt schon einen wissenschaftlichen Inhalt erwerben.

   Im Lichte des erst eben Gesagten moechten wir die Aufmerksamkeit auf Folgendes lenken. Der Schriftsteller hat in seinem Interview zugegeben, dass er die seiner Meinung nach vorzeitige Diskussion von der russischen nationalen Idee gebremst hat, und rief auf, alle Kraefte auf das Erhalten des Volkes auszurichten. Es ist gewiss interessant zu erfahren, warum der Schriftsteller die Diskussion fuer vorzeitig erachtet, aber es ist vielleicht gut, dass er das nicht konkretisiert har; das gibt den anderen die Moeglichkeit, sich freier auszusprechen und der Versuchung standzuhalten, sich sofort in einen Streit mit der beruehmten Person einzulassen.
   Unseres Erachtens liegen fuer diese Vorzeitigkeit zwei Gruende vor. Das heisst, zwei Hauptgruende. Unzureichendes Wissen um die eigene und um die deutsche Kultur. Ja, wir kommen den Anforderungen der Zeit, ihren Herausforderungen irgendwie auf zweifache Weise nicht nach: Im Erkennen der eigenen Kultur, vor allem unserer klassischen Literatur, und im Erkennen der Kultur von dem Volke, welchem wir unsere eigene Entwicklung am meisten verdanken. Wie paradoxal das auch klingen mag, sind diese zwei Gruende miteinanader aufs engste verbunden. Im Laufe unserer ganzen Geschichte koennen wir es verfolgen, wie schoepferische Impulse aus Mitteleuropa nach Russland kamen, von dem sich entwickelnden nationalen Bewusstsein erschlossen und verarbeitet und zum nationalen Vermoegen wurden, und manche Errungenschaften sogar zum Weltvermoegen, wie zum Beispiel die russische Literatur. Wir moechten es anhand einer Gestalt demonstrieren. Der Autor hat oft mit auslaendischen Zuhoerern zu tun, oft anlaesslich der rusisschen Literatur. Aus der erworbenen Erfahrung: Eine ihrer bekanntesten Gestalten ist Oblomow, - beinahe ein solches Symbol von Russland, wie eine Matrjoschka. Denken wir aber darueber nach: Gaebe es keinen Stolz, dann gaebe es auch keinen Oblomow, diese phaenomenale Gestalt eines schlafenden russischen Riesens. Das sollte man verstehen und nicht vergessen. Eben der Deutsche Stolz ist selbst dieser raetselhaften Gestalt der russischen Seele begegnet und fuer uns entdeckt, welche die ganze Welt erfasste, weil die ganze Welt Oblomow kennt. Schueler und Studenten von praktisch allen Kontinenten quaelen sich, indem sie sich muehsam durch diesen langen Text wie durch einen dichten Wald durchschlagen, einen raetselhaften, bedrohlichen, unvoraussagbaren und unbegreiflichen, wie die russischen Seele selbst. Er wird zwar trivial aufgefasst wie ein Faulpelz, das geschieht aber auf unsere Initiative, denn wir selbst fassen ihn so auf; das spricht aber darueber, dass wir uns noch nicht bewusst sind, wer Oblomow ist… Man koennte annehmen, dass mit dem Eindringen in die Gestalt von Oblomow eine neue Periode des Erkennens und des Verstehens der russischen Literatur als der einzigen ganzheitlichen, nicht von irdischen Interessen zerfressenen, der geisteswissenschaftlichen Gestalt des russischen Volkes in seiner Entwicklung beginnt…
   Bis jetzt fuehren uns die Ansprachen der beiden Fuehrer zur gleichen Schlussfolgerung: Wir haben keine fertige Antwort auf die Frage, was die nationale Idee ist, und das ist dem Gestaendnis aequivalent: Im Moment haben wir kein nationales Ideal fuer die Einrichtung des oeffentlichen Lebens. (Was fuer Russland dem Urteil gleichzusetzen ist: Uns fehlt unsere Zukunft, das, «was sein soll».) Und sie geben keine Antwort auf die selbstverstaendliche folgende Frage: Woher sollten wir sie nehmen? Deshalb ist es verstaendlich, warum die beiden Aussagen statt mit einem Punkt, wie mit Gedankenpunkten enden…

   Die Frage selbst ist in Russland nicht neu. Sie wurde von Fjodor Dostojewsky gestellt, im Laufe vom seinem ganzen Leben untersucht und beantwortet, zum Beispiel: «Woher … kann das Ideal der buergerlichen Gestaltung in der menschlichen Gesellschaft kommen? Verfolgen Sie aber geschichtlich, werden Sie sofort sehen, woher es kommt. Sie werden sehen, dass es einzig und allein ein Produkt der moralischen Selbstvervollkommnung von Einzelnen ist, mit ihr beginnt es, und was seit alters gewesen ist, wird auch in aller Ewigkeit bleiben Am Anfang jedes Volkes, jeder Nationalitaet ging die Idee des Morals immer vor der Entstehung der Nationalitaet, denn erst sie hatte die letzte geschaffen. Diese moralische Idee ging aber immer aus mystischen Ideen, aus den Ueberzeugungen, dass der Mensch ewig ist, dass er kein einfaches irdisches Tier sondern mit anderen Welten und der Ewigkeit verbunden ist».
   Mit anderen Worten: Das Ideal der buergerlichen Gestaltung in der menschlichen Gesellschaft kann «kommen» einzig und allein als ein Ergebnis der moralischen Vervollkommnung eines Einzelnen, eines Mitglieds dieser Gesellschaft. Gesund ist solch eine Gesellschaft, welche «die moralische Selbstvervollkommnung der Einzelnen» foerdert, darin das wichtigste Kriterium ihrer Existenz sieht; ungesund ist die Gesellschaft, welche solch eine Entwicklung des einzelnen Menschen behindert, indem sie mit allen Mitteln seine Begabungen zum Erreichen von anderen Zielen ablenkt.
   Wir koennen uns ohne weiteres auf diese Aussage von Fjodor Dostojewsky als eines angesehenen Wissenschaftlers stuetzen. Alles, was Fjodor Dostojewsky in seinem Leben gemacht, was er erreicht, wodurch er sich und Russland beruehmt gemacht hat, hat ausschliesslich der Entraetselung dieses Geheimnisses gedient: Was ist der Mensch, worin besteht seine Wahrheit, darunter auch die Wahrheit des russischen Menschen sowie des russischen Volkes. Fjodor Dostojewsky hat diese Wahrheit gefunden, und sobald er sie gefunden hat, hat er erblickt, dass sie allgemein menschlich ist, denn sie besteht in Christus, in «Christus, den das russische Volk kennt». Die Suche, der Weg zur «Wahrheit des russischen Volkes» ist national, aber das Ergebnis dieses Weges, die Wahrheit selbst ist allgemein menschlich! Darin besteht die grosse Bedeutung von Fjodor Dostojewsky fuer die ganze Menschheit, vor allem aber fuer uns, in Russland. Und wenn wir uns als Russen erleben, haben wir kein Recht, jahrhundertelang geistige Grosstaten zu vernachlaessigen, - man kann sie nicht anders bezeichnen, - von solchen Heldern, die nicht dem Volke, nein, sondern seiner Wahrheit, seiner nationalen Idee, wie Fjodor Dostojewsky gedient haben. Sie enthalten prophetische Anweisungen nicht nur dafuer, welchen Weg wir gehen, sondern auch WIE wir ihn gehen mussen!

   Jetzt ist Zeit gekommen fuer die zweite Klausel bezueglich der Wissenschaft, genauer gesagt, der angeblichen Nichtwissenschaftlichkeit des Begriffes «nationale Idee». Ihr Wesen besteht darin, dass diese Behauptung fuer Russland in dem gleichen Masse wahr wie unwahr ist. Sie liegt als ob ausserhalb von Russland. Denn in Russland gab und gibt es so eine vollwertige, voll-menschliche Wissenschaft von der Zukunft - die Kunst, und vor allem die grosse russische Literatur. Und eben von dieser seelisch-geistigen Wissenschaft wurde die russische nationale Idee untersucht und begruendet, - immer, ab dem Moment der Gruendung von diesem Volk durch seine nationale Idee, der Form nach poetisch, inhaltlich aber geistigseherisch im beruehmten «Wort ueber Gesetz und Segen“ des Metropoliten Ilarion und wissenschaftlich-philosophisch, schon gaenzlich im Sinne der Anforderungen unserer Zeit, im Werk von Wladimir Solowjew «Die russische Idee».
   Die nationale Idee der sozialen Dreieinigkeit, von welcher wir jetzt sprechen, ist eben die moralische Idee, welche das russische Volk schuf, welcher Fjodor Dostojewsky diente, und die russische Literatur ist eben die vollwertige seelisch-geistige, voll-menschliche Wissenschaft, welche alle Jahrhunderte ihres Bestehens den Menschen erforschte und seine Idee schuf. Die breite Oeffentlichkeit kennt die Aussage ueber die russische Literatur von ihrem grossen Kenner und Ritter, Akademiemitglied Dmitry Lichatschjew: Ihr wesentlichstes und einziges Thema ist der Mensch! In dem grossen Denkmal unserer Literatur aus dem XI. Jahrhundert, "Wort ueber die Igor's REGIMENT”, im «Wort ueber Gesetz und Segen» des Metropoliten Ilarion, kann man sagen ist urkundlich genau das Moment fixieret, in welchem das Volk diese grosse christliche Idee wie seine eigene, nationale aufgenommen hat, und ab diesem Moment hat unsere Literatur, wie das allsehende Gottes Auge die Entwicklung dieser christlichen Weltidee im russischen Volk nie ausser Acht gelassen. Deshalb bildete der Mensch den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit, der Mensch, welcher schon in Laufe von tausend Jahren von dieser grossen allmenschlichen und gleichzeitig unserer Idee der sozialen Dreieinigkeit kreiert wird…

   Eben in dieser Idee ist unser gesellschaftliches Ideal ausgedrueckt, eben diese Idee kennt das russische Volk «wie seine Wahrheit». Kennt das Volk als Ganzes, erkannt wird sie aber durch einzelne Persoenlichkeiten. Seit der Annahme des Christentums lebt im russischen Volk das Ideal der Heiligen Dreieinigkeit, dieses Ideal hat eigentlich das russische Volk aus einzelnen slawischen Staemmen kreiert, zusammengeschmolzen. Wir wissen aber davon von einer konkreten historischen Persoenlichkeit, in diesem Fall von dem Metropoliten Ilarion. Gewiss gibt dies alles im Volksschaffen, im Epos, in Maerchen, Legenden und Liedern; dies alles spricht eben davon, dass das Volk «weiss» oder, wenn wir etwas genauer sein wollen, die Seele des Volkes weiss es. Aber wirkliches Wissen und Verstehen beginnen bei den einzelnen Persoenlichkeiten, bei den «Einzelnen», die auf dem Wege der «moralischen Selbstvervollkommnung» Fuss gefasst haben, denen es gelingt, eine der jeweiligen Zeit und dem jeweiligen Ort entsprechende Ausdrucksform zu finden dafuer, was das Volk «weiss». Alle, die die Sprache beherrschen, kennen das Sprichwort «Gott liebt die Dreieinigkeit», zum Beispiel, als das russische Lieblingssprichwort, gebrauchen es aber oefters unnuetz, es kaum mit dem himmlischen Prototypen oder gar der gesellschaftlichen Gestaltung in Verbindung bringend. In der Zeit, wo das russische Volk schon von dem in ihm lebenden Ideal der Heiligen Dreieinigkeit geschaffen wurde, beteiligte sich das Volk an diesem Prozess, das Wesen dieses Prozesses wurde aber von einem einzelnen konkreten Menschen erkannt und zum Ausdruck gebracht, dem ersten russischen Metropoliten Ilarion. Im «Wort ueber Gesetz und Segen», welches das historische Moment der Christentumsannahme festhielt: «Und der See des Gesetzes trocknete aus, die evangelische Quelle fuellte sich mit Wasser, sie bedeckte die ganze Erde und erreichte uns. Und nun preisen auch wir mit allen Christen die Heilige Dreieinigkeit». Und in dem «Glaubensbekenntnis»: «Âåðóþ â åäèíîãî Áîãà, ÷òî ñëàâèòñÿ â Òðîèöå… Âåðóþ … â Òðîèöó åäèíîñóùíóþ, ëèöàìè æå ðàçäåëÿþùóþñÿ, Òðîèöó, èìåíóåìóþ åäèíûì Áîãîì».
   Dann kamen einige Jahrhunderte Schweigens, sozusagen, welche so aufgefasst werden koennen, dass das Volk seine Kraefte sparte, um sie in der Persoenlichkeit von Sergij Radoneshskij zu buendeln. Im Schaffen von Sergy Radoneshsky - anders kann man sein Leben und seine Taetigkeit nicht bezeichnen – hat das wie «Volkswahrheit» lebende Ideal der Goettlichen Dreieinigkeit seine konkrete irdische Verkoerperung in Form des Tempelbaus und sozialer Innovationen bekommen. Er baute den ersten Tempel in Rusj, gewidmet der Heiligen Dreieinigkeit und bezeichnete damit den Anfang einer neuen Periode, in welcher das Volk seine nationale Idee erkannte. Schon hier leuchtete ihr grosses moralisches und soziales Licht auf, welches einige Jahrhunderte spaeter von dem grossen russischen Philosophen Wladimir Solowjew aufgegriffen, von ihm als die russische nationale Idee «der sozialen Dreieinigkeit» philosophisch begriffen und entwickelt wurde. «Die russische Idee, die historische Verpflichtung Russlands erfordern von uns, unsere unverbruechliche Verbindung mit der weltumspannenden Christusfamilie anzuerkennen, sowie alle unseren nationalen Begabungen ... fuer die endgueltige Verwirklichung der sozialen Dreieinigkeit einzusetzen, wo jede der drei organischen Haupteinheiten, Kirche, Staat und Gesellschaft, bedingungslos frei und erhaben, nicht aber getrennt von den anderen zwei, … sondern in der Behauptung der bedingungslosen inneren Verbindung mit denen. Diese treue Gestalt der Goettlichen Dreieinigkeit auf Erden wiederherzustellen – darin besteht die russische Idee».

   Was wir heute zu beachten haben. Das Ideal der sozialen Dreieinigkeit, als russische nationale Idee hat sich in Wendepunkten der Volksentwicklung offenbart, in Momenten der Wahrheit, oder, wie wir heute einen der von uns erlebten Momente bezeichnen, im Moment der Perestrojka. Im X. Jahrhundert war das die Uebernahme des Christentums, im XIV. – die Befreiung von dem Joch der Tataren und Mongolen, unsere Perestrojka des XX. Jahrhunderts steht mit Recht in dieser Reihe als die Befreiung von dem Joch des Atheismus und Materialismus, als ein Versuch, den Weg des Erkennens von Gott zu beschreiten, ohne den es unmoeglich ist, die wahre Gestalt des Menschen zu erkennen, um daraus neue Beziehungen zwischen drei Bereichen des sozialen Organismus aufzubauen: Des geistigen, wirtschaftlichen und staatlichen, als «eines wahren Abbildes der Goettlichen Dreieinigkeit», wenn wir die Begriffe von Wladimir Solowjew gebrauchen.
   Unsere Perestrojka hatte zweifellos einen Schritt in die Zukunft als Ziel, einen Schritt im Erkennen unserer nationalen Idee, und nicht in die Vergangenheit, wie es beinahe in Wirklichkeit gekommen ist. Das sollte ein Schritt zum Aufbau einer Gesellschaft auf neuen sozialen Grundlagen sein, und keine Restauration des Kapitalismus, das schon einmal von Russland verworfen wurde. Dieser Schritt kann aber nicht gemacht werden, ohne die russische nationale Idee zu erkennen, welche sich in dieser Perestrojka noch nicht offenbarte. Es kommt die Frage: Warum? Vielleicht, weil unsere Perestrojka noch nicht zum Moment der Wahrheit geworden ist, was bedeutet, dass sie ihr Ziel noch nicht erreicht hat, sie kann noch nicht abgeschlossen, nur vielleicht wieder unterbrochen werden…
   Wie wir es gesehen haben, wird die nationale Idee, indem sie das Wesen des ganzen Volkes zum Ausdruck bringt, dessen ungeachtet, durch einzelne Menschen erkannt. Durch Persoenlichkeiten, «Einzelne», wie es in Russland der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewsky auszudruecken gewagt hat. Und wenn sie sich in unserer Perestrojka bis jetzt noch nicht auf wuerdige Weise gezeigt haben, kann das nur eines bedeuten: Es gibt noch keine Persoenlichkeit, welche die nationale Idee als ihre persoenliche Aufgabe des Lebens empfinden wuerde. Und fuer uns alle, sowie fuer alle unseren Fuehrer, ist das ein alarmierendes Signal. Vielleicht waren ihre Aussagen auch aus diesem Grunde so zurueckhaltend…
   Vielleicht sind zwei Jahrzehnte der Perestrojka eine zu kurze Zeit dafuer. Ausserdem ist unser Leben in den letzten Jahren uebermaessig politisiert worden, und diese Uebermaessigkeit hat sich unter anderem darin ausgedrueckt, dass im politischen Leben der groebste Fehler unterlaufen war: Beseitigung des Instituts von frei zu waehlenden unabhaengigen Deputierten. Die Wahlen auf der Grundlage nur von parteilichen Listen wirft das Land zurueck und wird zum ernsthaftesten Hindernis auf dem Wege seiner wahrhaftig nationalen Entwicklung. Das Einschraenken des politischen Lebens bis auf die Parteiformen dient ausschliesslich den Interessen von Parteien selbst sowie vom Staat, welcher bestrebt ist, seine Macht ueber das Volk allumfassend und ewig zu machen, und die Entwicklung einer innerlich geistig freien Persoenlichkeit hindert. Hier handeln wir unserer eigenen Kultur zuwider. Die russische Literatur als Schoepfer und Erforscher dieser Kultur, zeugt unwiderlegbar davon, dass nur eine geistig freie Persoenlichkeit ein echter Vertreter der russischen nationalen Idee sein kann. Eine Persoenlichkeit, welche das Dienen der hoeheren moralischen Idee und nicht das Bedienen von Interessen einer Paretei, des Staates oder irgendeiner Konfession waehlt. Die Parteien koennen nie die «Wahrheit des Volkes ausdruecken», weil sie vor allem dafuer gegruendet werden, um die irdische Macht zu erobern, indem sie einer einzelnen freien Persoenlichkeit, einem Einzelnen, zugaenglich sein kann. Indem wir fuer unabhaengige Deputierte den Zutritt in das Parlament geschlossen haben, haben wir praktisch den Weg fuer die nationale Idee ins Parlament versperrt.
   Weiter kommt der zweite Fehler, der seiner Bedeutsamkeit nach zweifelsohne auf die erste Stelle zu platzieren waere, als die wesentlichste und unmittelbare Ursache von allen unseren Leiden im Laufe des ganzen zwanzigsten Jahrhunderts: Der ideologisierte Unterricht der russischen Literatur auf allen Ausbildungsebenen, vertieft durch die staendige Reduzierung von entsprechenden Unterrichtsstunden, was letztendlich zu ihrer Verbannung aus dem Schulprogramm als eines selbstaendigen (d.h. Abschluss mit einer Pruefung, und zwar mit einem Aufsatz) Faches. Damit ist zerstoert, man koennte sagen, vernichtet das unersetzbare geistige Ganze, das einzige freie geistige Ganze, das in sich die ganze heilende Fuelle und Unversehrtheit des Volkslebens traegt. Statt mit dem Bewusstsein diese lebensspendende Quelle der russischen Literatur muehsem zu erreichen, zu erzielen und aus ihr direkt zu trinken und Kraefte daraus zu erhalten, haben wir dieses lebensspendende Wasser in die Roehre der materialistischen, klassen- und irgendwie anders noch orientierten Analysen hineingejagt, was es halbtot und praktisch nutzlos zum Beleben der Seele gemacht hat.
   Nachdem wir die russische Literatur praktisch aus unserem Ausbildungssystem verbannt haben, entzogen wir uns selbst der Hauptquelle fuer die Ausbildung und Erziehung der geistig freien Persoenlichkeit. Das kann mit nichts rechtfertigt werden, und die Einfuehrung von "Grundlagen der orthodoxen Kultur“ in das Ausbildungsprogramm ist keinesfalls ein gleichwertiger Ersatz. Mit dieser Aktion der Beamten von der Ausbildung hat sich der Kreis geschlossen. (In Klammern. Das am meisten Paradoxale und Traurige besteht darin, dass dies alles in der Amtsperiode von Putin geschehen ist, der selbst ein offensichtlicher und unbestreitbarer Beweis dafuer ist, von welcher Bedeutung die Persoenlichkeit sein kann, denn alle unseren Errungenschaften (genauer waere es auch von unseren Misserfolgen zu sprechen) der letzten Jahre eben damit im Zusammenhang stehen, dass unser Praesident so eine selfmade Persoenlichkeit ist). Denn unsere nationale Idee in ihrer echten Gestalt, als ein treues Abbild der "Goettlichen Dreieinigkeit“ auf Erden, kann nur von einer freien Persoenlichkeit unverzerrt erkannt und nur von ihr umgesetzt werden. Es wird eine grosse Katastrophe sein, wenn die russische nationale Idee ploetzlich zur Ideologie von irgendeiner im Parlament vertretenen Partei wird. Oder wenn sie von irgendeiner Konfession privatisiert wird. Damit wird sie sofort als ein lebendiges geistiges Wesen vernichtet und bis zum Niveau einer pareteilichen oder staatlichen Ideologie herabgefuehrt und als solche von allen anderen Teilnehmern des oeffenlichen, politischen und kulturellen Prozesses abgelehnt werden.
   Wie ist die Schlussfolgerung? Vielleicht die folgende: Wir koennten vielleicht, wie der Schriftsteller sich ausdrueckte, den Besprechungsprozess unserer naionalen Idee «bremsen», ihne aber ganz stoppen - nicht.
   Mutterboden ist noch nicht gefunden, wir haben noch nichts, worauf wir sicher stehen koennten. Es ist wackelig, wir werden nicht standhalten, stuerzen ein …

   Der Autor, schon nicht mehr jung, hat in vollem Masse alle Peripetien der letzten fuenfzig Jahre der russischen Entwicklung erlebt. Er erhebt keinen Anspruch darauf, die russische nationale Idee neu zu formulieren, anders, als es Wladimir Solowjew gemacht hat. Im Laufe von zwei letzten Jahrzehnten hat der Autor – Verleger, Redakteur und Uebersetzer, praktizierender Berater in Fragen der Organisaionsentwicklung, der in seinen Jugendjahren den Entwicklungsweg ueber die russische Literatur gewaehlt hat, zur Zeit in Russland und im Ausland einige Projekte realisiert – die in diesem Buch vorgestellten und ihn beschaeftigenden Gedanken besprochen, indem er Seminare veranstaltete und mit Vortraegen in Russland und dem deutschspachigen Europa auftrat. In den letzten Jahren wurde von ihm eine Buecherreihe fuer Berater und Manager vorbereitet und veroeffentlicht, welche eine Moeglichkeit geben, den heutigen Stand der Dinge, seine Krisengeladenheit, Gefahren aber auch seine Chancen wie in einem Spiegel zu erblicken. Sie sind nicht nur an Unternehmensleiter, d.h. an Manager im engeren Sinne des Wortes gerichtet. Im Grunde genommen, ist fast jeder Mensch heute ein Leiter, Manager – von sich selbst, von seiner Familie, seinem Unternehmen, seinem Lande, der Welt. Im Prozess der Arbeit an diesem Buch klang das Thema, im Titel dieses Buches ausgedrueckt, immer deutlicher Die Offenheit des gegenwaertigen Momentes, sein Kreuzungsartiger Charakter bewegen mich, das Buch zu veroeffentlichen: «Gehst Du nach links –…, gehst Du nach rechts –… .».